Eine geführte Wanderung durch Geschichte, Natur und Technik im Westerwald
Am 30. März 2025 trafen sich 40 wetterfeste Wanderfreunde in Höhn, um mit den erfahrenen Wanderführern Rainer Lemmer und Stephan Kohl von „Typisch Westerwald“ eine besondere Tour zu erleben.
Die geführte Wanderung „W3 Vorhang auf – Hier kommt Alex!“ versprach spannende Einblicke in das einst größte Braunkohleabbaugebiet des Westerwaldes, Naturerlebnisse und historische Bauwerke entlang des Weges.
Wetterfest und bestens ausgerüstet

Das Wetter zeigte sich an diesem Tag von seiner eher ungemütlichen Seite: Einstellige Temperaturen, dichter Nebel und ein leichter Regen begleiteten die Gruppe über weite Strecken.
Doch echte Outdoor-Enthusiasten lassen sich davon nicht aufhalten – alle Teilnehmer waren bestens vorbereitet und trotzten den Bedingungen.
Am Ende der Tour wurden sie sogar mit einem kurzen Sonnenstrahl belohnt, als sich der Himmel doch noch für einen Moment öffnete.
Start am Marktplatz Höhn: "Wo einst Kohle König war"

Schon am Treffpunkt wurde klar, dass diese Wanderung eine Reise in die Vergangenheit sein würde.
Am Marktplatz von Höhn steht noch heute ein Original-Förderturm der ehemaligen Grube Alexandria, im Volksmund „Alex“ genannt.
Ein Relikt aus einer Zeit, in der der Braunkohleabbau die Region prägte und unzählige Menschen hier ihr Auskommen fanden.


Die Route führte durch ein Gebiet, unter dem sich noch immer ein beeindruckendes Netzwerk aus etwa 15 Kilometern Stollen erstreckt.
Einst arbeiteten hier bis zu 1.000 Bergleute unter Tage, um Braunkohle zu fördern – Spuren dieser Ära sind noch heute sichtbar.
Verschüttete Stolleneingänge, markante Einsturz-Pingen und riesige Abraumhalden säumten den Weg und ließen die Ausmaße des einstigen Bergbaubetriebs erahnen.

Ein weiteres Highlight waren die Überreste des ehemaligen Elektrizitätskraftwerks der Grube Alexandria. Auch wenn die Ruinen nicht betreten werden konnten, waren sie aus der Ferne ein beeindruckendes Zeugnis der industriellen Vergangenheit.
Deutlich sichtbar waren zudem die Fundamente der ehemaligen Seilbahn, die für die Stromerzeugung benötigte Braunkohle zum Kraftwerk transportierte.
Auch von dem einst imposanter Damm, der das Tal der Nister durchquert und das benötigte Wasser für die Dampferzeugung bereitstellte, konnte man noch die Reste erkennen und unterstreicht die baulichen Dimensionen des einstigen Kraftwerkskomplexe
Technische Meisterwerke: Zwei besondere Brücken

Neben Natur und Geschichte begeisterte die Tour auch durch beeindruckende Ingenieurskunst.
- Die historische Steinbogen-Eisenbahnbrücke der Westerwald-Querbahn stellte die Wanderführer vor ein kleines Rätsel, denn sie birgt zwei architektonische Geheimnisse, die vor Ort gelüftet wurden.
- Die „Fischbauchträgerbrücke“, eine parabelförmige Fachwerkträgerbrücke, war ein weiteres technisches Highlight.
- Diese Brückenform ist eine ingenieurtechnische Besonderheit, da sie durch ihre geschwungene Konstruktion besonders hohe Stabilität bei vergleichsweise geringem Materialeinsatz bietet.
- Im Westerwald ist sie die einzige ihrer Art und ein beeindruckendes Zeugnis historischer Bauweise.
Vom Kackenberger Stein bis zum Wasserstollen – Naturschätze und Geschichte vereint

Neben den industriellen Relikten standen auch natürliche und historische Besonderheiten auf dem Programm.
- Der Kackenberger Stein war ein faszinierender Stopp: Diese markante Erhebung wird als mögliche keltische Kultstätte angesehen und strahlt eine besondere, fast mystische Atmosphäre aus.
- Das alte Sprengmittelhäuschen, heute fast unscheinbar im Wald verborgen, erinnerte daran, dass der Bergbau nicht nur harte, sondern auch gefährliche Arbeit war. Hier wurden einst der Sprengstoff für den Stollenvortrieb gelagert.
- Die Große Nister, ein naturbelassener, sich selbst überlassener Flusslauf, begleitete die Wanderer auf vielen Abschnitten der Route und bot einen ruhigen Kontrast zur industriellen Vergangenheit.
- Der Wasser-Auslaufstollen der Grube Alexandria, ein beeindruckendes Beispiel für die nachhaltige Nutzung früherer Bergbaustrukturen.
- Noch heute stammen rund 60 % des Trinkwassers der Verbandsgemeinde Bad Marienberg aus diesem Stollensystem.
Botanik und ein unerwarteter Notfalleinsatz

Trotz des Schwerpunkts auf Industriegeschichte kam auch die Natur nicht zu kurz.
Am Wegrand entdeckten die Wanderer erste Frühblüher, und Rainer Lemmer nutzte die Gelegenheit, essbare Wildkräuter wie Knoblauchrauke, Giersch und Bärlauch vorzustellen.
Eine unerwartete Herausforderung meisterte Wanderführer Stephan Kohl mit Bravour:
Als sich die Sohlen der Wanderschuhe einer Teilnehmerin lösten, zauberte er Panzerband aus seinem Notfallrucksack und sorgte für eine provisorische Reparatur.
Dank dieser schnellen Hilfe konnte die Mitwanderin die Tour ohne Probleme beenden.🤗

Die Wanderung „W3 Vorhang auf – Hier kommt Alex!“ bot eine perfekte Mischung aus Historie, Natur und Technik.
Die vielen spannenden Details zur Bergbaugeschichte, die beeindruckenden Bauwerke und die abwechslungsreiche Landschaft machten die Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Trotz herausforderndem Wetter war die Stimmung hervorragend – und der verdiente Applaus für die Organisatoren am Ende sprach für sich.
Sei dabei und entdecke den Westerwald von seiner spannendsten Seite!
Lust auf mehr? Dann sei bei unserer nächsten Wanderung dabei! 🌿🏛️🐾
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Am Ende der Wanderung wartete noch eine besondere Überraschung auf die Teilnehmer:
CIMALP, Hauptsponsor von Typisch Westerwald im Bereich Outdoor-Bekleidung, stellte hochwertige Accessoires zur Verfügung.
Die Wanderer konnten sich zwischen multifunktionalen Schlauchtüchern, Stirnbändern und stylischen Trucker-Basecaps in verschiedenen Farben entscheiden – eine Auswahl, die großen Anklang fand und schnell vergriffen war.
Ein herzliches Dankeschön an CIMALP für diese großartige Unterstützung! 🌿🎁🥾
Impressionen von der Wanderung
Ein Tag voller Entdeckungen, Natur und Gemeinschaft – genau das, was das geführte Wandern mit "Typisch Westerwald" ausmacht!
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